Fabio Vonarburg

Journalist. Hofnarr. Kressezüchter.

Bei der 333. Tasse Kaffee sterbe ich

Ich stehe dazu: Ich mag abgestandenen Kaffee. Wieso? Weil ich Kaffee in jedem physikalischen Zustand liebe. Warm, kalt, heiss, von mir aus auch gefroren. Kaffee ist toll; daran gibt es nichts zu rühren. Habe ich einen Schreibstau – so mache ich mir einen Kaffee. Bin ich gelangweilt – so mache ich mir einen Kaffee. Will ich mich belohnen – so … Ach, lassen wir das. Jedenfalls: Die braune Brühe ist DER Helfer in allen Lebenslagen. Mein Arbeitskollege. Mein Freund. Mein Lover.

Jetzt gab es schon immer solche Forscher, die uns den Kaffeekonsum austreiben wollten. «Zu viel Kaffee schadet der Gesundheit», schrieb beispielsweise der «Spiegel» vor drei Jahren und rechnete aus, dass man am 333. Espresso stirbt. Todesursache: Koffeinvergiftung. Ach, kommt schon, hört auf mit solch hypothetischem Geschwafel und lasst mir meinen Kaffee.

Darum habe ich vor einigen Jahren meine Lieblingsstudie herausgepickt, aus der ich bei Gelegenheit immer zitiere: «5 Tassen Kaffee am Tag verlängern das Leben». Trinkt man dennoch mehr, so schadet es zumindest nicht. Vom dauernden Zittern und somit ewigen Vertippen einmal abgesehen.

Selbst wenn die Erkenntnisse dieser Studie einmal widerlegt werden sollten (bei der Wissenschaft nach Karl Popper nur eine Frage der Zeit), so wird sie für mich dennoch das Mass allen Kaffeekonsums bleiben. Für einmal kann mir der wissenschaftliche Fortschritt gestohlen bleiben.

So, ich genehmige mir einen Kaffee. Wem kann ich auch eine Tasse bringen?

Erschienen: Aargauer Zeitung (06.09.2016)

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BlogKolumneLiebe

Fabio Vonarburg • 13. September 2016


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