Fabio Vonarburg

Journalist. Hofnarr. Kressezüchter.

Das SMS-Gezwitscher zweier Turteltäubchen

Kaum gekauft, schon geschlissen – mein nigelnagelneues Smartphone. Zu meinem Glück: Die Garantie deckte den Schaden ab. Zu meinem doppelten Glück: Der Verkäufer gab mir ein Ersatzhandy, um die Zeit der Reparatur zu überbrücken.

Dies bedeutete nicht nur die Fortführung meiner Handy-Sucht, ganz ohne Entzugserscheinungen, sondern bot auch beste Unterhaltung. Denn: Der Speicher des Ersatzhandys war ungelöscht und ich hatte den unzensierten Einblick in die Beziehung zwischen Ida und Peter (Namen geändert), die sich einst über dieses Telefon fleissig Nachrichten schickten.

Also fleissig war vor allem einer der beiden Turteltäubchen – Peter. Doch beginnen wir von vorn, beim ersten SMS:

Peter: Dannge für di delifon,mi liebi leuefrau!Bin erliechteredt,ha scho dänggt,was isch ächt mi minere ida basiert?Umarm di fercht und drugg dr e kuss uf d’libbe.Pe

Ida bleibt stumm, Peter bleibt dran: Guete morge, mi liebi ida! Ha ganz kalti finger zum schrybe! Wie isch gang gescht? Gäll, luegsch dr guet. Vyl feyni schmützli und en umarmig vom Peter!

Ida bleibt stumm, was Peter allmählich Sorgen macht oder die ehrlichere Version: er regt sich langsam über seine Leuefrau auf. Sicherheitshalber wechselt Peter ins Hochdeutsche: Liebe ida, geht dehn handy wirklich gar nicht mehr? Und du kannst gar nichts mehr von mir lesen? Und ich hoffte schon auf einen gruss von dir vom neuen handy!

Das Ausrufezeichen (oder doch das Hochdeutsche?) wirkt; jetzt haut auch Ida in die Tasten. Haut dabei aber mehr als einmal daneben: Mein jk Lib !jkjpeter bio bin ganz traurig wehgg Weil ich es nicht kann und kein  sms fast nicht schreiben und I Deine niciht Lesen kann schreibe mir trotzdem ich uebe fest t viele liebea Liebep

Nach diesem SMS ist eines klar: Die Delete-Taste kennt Ida nicht. Peter ists egal, er ist ganz aus dem Häuschen:

Oh ida, liebe, soo lieb, dein erstes eigenes sms! Han e baar mol dr mond gseh znacht und em em gseit, wien ich di gärn ha. Aber du hesch jo d’vorhäng zoge, und sehsch en gar nid! Pe

Schmacht… Peter ist verliebt, Ida ganz berührt. Zumindest macht sie etwas, dass sie selten tut: Sie schreibt zurück:

Ida:
Liebe pekin
Peter
Leu bh
Bi uff en Em schoenenberg gseh undwuensch dir d dd egueti o nacht mit viele g5 glaen9 Zige staerne tt  i denk an di alles liebi

Ida wird immer unverständlicher. Doch einer versteht sie, Peter:

Oh, du liebi ida, so lieb di sms, i schmilz grad vor di ane! I gseh au d’schtärne und dängg fescht an die! Au vyli küssli vo mir und e festi umarmig vom Peter.

Danach hat Ida das Gefühl, sie habe nun für einige Tage genug geschrieben. Bahn frei für weitere Peter Monologe:

Peter: Oh,du liebi leuefrau!Wie het mi doch das delifon durenand brocht,gescht zobe,wo du gseit hesch,wie du als a mi dänggsch,jo mi sogar fascht kasch schpüre! Do han i gar nid guet könne schlofe. I ha mr die ganz zyt vorgschtellt, wien ich di streichle und massiere! Mues denn am mäntig grad luege,ob ich mir das richtig vorgschtellt ha!

Das nächste SMS zeigt – bereits die Vorstellung macht ihn glücklich.

Peter: Frieh am morge, dr liebi peter pfyfft im wald… Freu mi so uf di, liebi!

Dann trifft die beiden ein Schicksalsschlag:

Peter: Liebi ida,so dumm: Du bisch grangg!Muesch denn kei schlächts gwüsse ha:Ich ka dir do sehr vyl für di gsundwärde ude:Salbe, yrybe, massiere, warmbhalte, mit fyner sauna dr körper erhitze (duet die körpereigene abwehrstoff sehr unterstütze), tee drinke, di schlof überwache…Und was für di“schüst no guet isch“!P

Nun ist wieder einmal Zeit für seine gesprächige Partnerin.

IdaGuter peter was für ein sch.

Sch.? Was Ida wohl meint? Was für ein Schnüsel du? Oder doch: Was für ein Scheiss? Wenns einer weiss, dann Peter. Doch seelenverwandt hin oder her; Ida geht auf Nummer sicher und liefert ein paar Minuten später die Erklärung: Guter Peter was für ein schöner Tag!

Idas letzte Nachricht. Aber jetzt mischt sich noch eine dritte Partei ins Gespräch ein.

Mobilfunkanbieter: Ihr Guthaben beträgt weniger als 3 Franken.

Vermutlich aus Spargründen. Schluss mit dem SMS-Liebesgezwitscher.

Facebooktwittergoogle_plus
Kolumne

Fabio Vonarburg • 21. April 2016


Previous Post

Next Post

Schreibe einen Kommentar